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Geschichte der Gemeinde Arnfels

Am Pößnitzbach, zu Füßen eines Schlosses, das das Tal beherrscht, liegt der Kulturmarkt Arnfels. Ein kleiner Marktflecken, einst wichtiges Markt- und Gerichtszentrum, hatte noch Jahrzehnte nach der Grenzziehung 1919 unter den Gebietsverlusten zu leiden - der Gerichtsbezirk war halbiert worden. Doch Arnfels ist es wert, mehr Aufmerksamkeit auf sich zu lenken! War doch der Markt in seiner Geschichte immer wieder in kultureller Hinsicht aufgefallen. Hugo Wolf hatte hier einst ein Domizil gefunden, so mancher begabter Künstler machte hier Zwischenstation in seinem Schaffen, und nicht zuletzt hatte der Markt selbst auch bemerkenswerte Künstler hervorgebracht.

Stille und beschauliche Ruhe scheinen hier zu regieren, doch der Schein trügt. Hinter den malerischen Kulissen des Marktes steckt eine weit zurückreichende Vergangenheit und eine höchst belebte Gegenwart.

Die Gegend um Arnfels soll bereits den Römern bekanntgewesen sein (Arupium). Urkundliche Erwähnung findet der Markt, ursprünglich eine Burgundersiedlung, erstmals 1280.

Das heute nur teilweise erhaltene Schloss erhebt sich auf einer steil abfallenden Kuppe unterhalb der "Türkenschanze". Um 1212 bereits als "castrum Arnuelse" bekannt, befand sich das Anwesen zunächst im Besitz der Herren von Mureck, wechselte aber in den folgenden Jahrhunderten mehrmals den Besitzer. Von der einst mächtigen Burg hat sich lediglich der Nordteil erhalten. Von den ehemals vorhandenen zwei Rundtürmen steht nur mehr der östliche. 1916 wurde das Schloss durch Neubauten besonders stark verändert. Am Ende des 18. Jahrhunderts verfügte die Herrschaft über 984 zinsbare Häuser, die in 13 Ämtern zusammengefasst wurden.

Das Zentrum des ehemaligen Gutsweilers und heutigen Marktes bildet heute ein längsgestreckter Dreiecksplatz, der von Häusern mit steilen Satteldächern umbaut ist. Zwei große Zerstörungen sind in der Ortsgeschichte markant: Zum einen die Verwüstung durch einfallende Türken 1532 und zum anderen eine Feuersbrunst, die 1825 im Markt wütete.

Vor allem die Hausfassaden und einige mit Jahreszahlen versehene Haustore aus dem 19. Jahrhundert berichten schweigend vom Ausmaß der Verheerung und dem Wiederaufbau des Ortes.

Vom Platz nach Süden zweigt die Straße ab. Um den Pößnitzbach zu überqueren, muss man über eine alte steinerne, recht schmale Brücke, auf der seit Jahr und Tag die Statue des Hl. Johann Nepomuk steht. In der Inschrift ihres Sockels sind verschiedene Buchstaben besonders hervorgehoben. Als lateinische Ziffern gelesen und aneinandergereiht, ergibt sich ein Chronogramm, das die Entstehung des Brückenheiligen mit 1706 angibt. Unmittelbar an der folgenden Straßengabelung steht das mächtige Gotteshaus. Seit 1788 ist Arnfels eine selbständige Pfarre. Zuvor gehörte sie, wie die meisten umliegenden Orte, zur Pfarre St. Johann im Saggautal.

Durch die Reformen Kaiser Joseph II. wurden große Pfarrgebiete in mehrere Pfarren umgewandelt, um eine bessere seelsorgliche Betreuung der Bevölkerung zu gewährleisten. Die im Gegensatz zu anderen Kirchen nach Süden orientierte Pfarrkirche "Maria im grünen Waasen" wurde zwischen 1714 und 1717 anstelle einer Vorgängerkirche des 15. Jahrhunderts erbaut. Als Stifter des Neubaues traten Gräfin Eleonore Dernbach und deren zweiter Gemahl, Franz Erwein von Schönborn, auf. Die Fassade wirkt mit dem hohen Dreieckgiebel und den drei in Nischen stehenden Figuren auf Anhieb recht schlicht. Seitlich davon wurde 1813 ein dreigeschossiger Turm angebaut.

Die Inneneinrichtung stammt zum Großteil aus dem 18. Jh. Bemerkenswert sind die älteren Grabdenkmäler. Darunter die lebensgroße, kniende Figur des Freiherrn von Gera in Rüstung oder die anstelle des Kreuzaltares eingemauerten Teile eines Grabmals mit Kreuzigungsrelief.

Das Wappen von Arnfels, verliehen im Jahre 1517 von Kaiser Maximilian, zeigt einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln auf einem dreizackigen Felsen. Der Name Arnfels könnte auch auf den Erbauer oder ersten Besitzer der Burg hinweisen: Fels des Arno = Arnfels.

Die ältesten Urkunden über die Gegend um Arnfels befinden sich im Besitze des Klosters St. Paul in Kärnten, das hier reich begütert war. Die Gegend war im 11. Jahrhundert im Besitze der Spanheimer. Man nimmt daher an, dass einer ihrer Dienstmannen die Burg Arnfels erbaut habe, wobei die von deutschen Kolonisten am Fuße des Berges angelegten Ortssiedlung den gleichen Namen erhielt. Aufgrund der bisherigen Forschungen kann das Jahr 1150 als die historische Geburtsstunde von Arnfels angenommen werden.

Arnfels dürfte um 1278 von König Rudolf die ersten Marktprivilegien erhalten haben. Nach dem ersten Habsburger-Urbar (1280 - 1295) bestand der Markt aus 30 Heimstätten und hatte einen eigenen Marktrichter. Im Mittelalter blühten Handel und Gewerbe, da der Markt an der sogenannten "Radkersburger Weinstraße" lag, über die - von Radkersburg aus über Arnfels, Voitsberg und der Stubalpe - schwer beladene Fuhrwerke Obst und Wein in die Obersteiermark führten. Eisen und Salz wurden ins Unterland zurückgebracht. Nach dem Stockurbar von 1573 vernichtete 1550 ein großes Feuer den Markt und das Gemeindehaus mit allen Urkunden. Durch kriegerische Ereignisse - die Baumkirchner Fehde, Türkeneinfälle, die Ungarnkriege zwischen 1479 bis 1490 - und durch die Pest erfolgten gewaltige Rückschläge in der eher ruhigen Entwicklung des Marktes. Im Jahre 1532 verwüsteten die Türken die Gegend und schleppten auch viele Bewohner mit sich.

Die lutherische Lehre fand frühzeitig in Arnfels ihren Eingang und wurde von den Grafen Thurn und Gera eifrigst gefördert. Ende Jänner 1600 wurden die Bürger im Zuge der Gegenreformation gewaltsam der katholischen Religion zurückgeführt. Noch während der Religionswirren setzten auch in Arnfels Hexenprozesse ein. Im Jahre 1580 wurde als erste "Hexe" Barbara Striegel hingerichtet, der in den nächsten Jahren noch eine ganze Anzahl von Verdächtigen folgten.

Als in den Jahren 1663/64 die Türken wieder nach Österreich vordrangen, kam es zum Glück für den Markt zu keiner Kampfhandlung, obwohl hier Reichshilfstruppen aufgestellt wurden. Nun folgte ein Jahrhundert der Ruhe für den Markt. Nach dem Josefinischen Grundbuch bestand der Ort aus 64 Häusern und rund 500 Einwohnern. Durch die napoleonischen Kriege wurde der Markt aus seiner Ruhe gerissen, da die österreichische Armee in dieser Gegend aufgestellt wurde. Im Jahre 1809 musste der Markt schwere Requisitionen über sich ergehen lassen. Durch einen großen Brand am 13. April 1825 fielen 40 Häuser samt Wirtschaftsgebäude den Flammen zum Opfer. Nur die Kirche und 14 Häuser blieben ganz verschont. Fünf Tote und viele Verwundete waren zu beklagen. Der Markt wurde aber schöner und feuersicherer wieder aufgebaut, Schindel- und Strohdächer verschwanden.

Um 1850 wurde in Arnfels ein staatliches Bezirksgericht eingesetzt. Die neue Gemeindeordnung, wobei die Großgemeinde Arnfels auch den Sprengel der heutigen Gemeinde Oberhaag umfasste, wurde im Jahre 1850 eingeführt. Auch die beiden Weltkriege mit ihren Folgen brachten schwere Zeiten für den Markt. Seit 1945 befindet sich Arnfels in einer steten Aufwärtsentwicklung. Der Ort wurde zu einem Kultur-, Einkaufs- und wichtigen Schulzentrum mit Volks-, Haupt- und Realschule, Polytechnischem Lehrgang und Landesberufsschule für Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker. Die geplante Errichtung eines Technikzentrums sowie weitere zukunftsorientierte Vorhaben könnten den Markt auch in der EU eine besondere Stellenwert zukommen lassen.

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